Das Internet war lange Zeit ein Raum, in dem die Spielregeln oft von den großen Tech-Giganten diktiert wurden. Mit dem Digital Services Act (DSA), der nun in der gesamten Europäischen Union vollumfänglich greift, hat der Gesetzgeber ein „Grundgesetz für das Internet“ geschaffen. Doch was bedeutet dieses umfangreiche Regelwerk konkret für Sie als Nutzer oder Unternehmer? In diesem Beitrag beleuchten wir die wichtigsten Neuerungen.

Was ist der Digital Services Act?

Der DSA ist eine EU-Verordnung, die darauf abzielt, einen sichereren digitalen Raum zu schaffen, in dem die Grundrechte der Nutzer geschützt sind und gleiche Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen herrschen. Er betrifft Vermittlungsdienste, Hosting-Provider und insbesondere sehr große Online-Plattformen (VLOPs) und Suchmaschinen.

1. Mehr Transparenz bei Algorithmen und Werbung

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Ihnen ein bestimmter Beitrag oder eine spezifische Werbung angezeigt wird? Plattformen sind nun verpflichtet, ihre Empfehlungssysteme transparenter zu gestalten. Sie müssen in verständlicher Sprache erklären, nach welchen Hauptparametern Inhalte priorisiert werden. Zudem müssen Nutzer die Möglichkeit haben, diese Parameter zu beeinflussen.

Auch bei der Werbung gelten strengere Regeln: Es muss klar erkennbar sein, dass es sich um Werbung handelt, wer dafür bezahlt hat und warum sie gerade Ihnen angezeigt wird.

2. Das Ende von „Dark Patterns“

Ein besonders verbraucherfreundlicher Aspekt des DSA ist das Verbot sogenannter Dark Patterns. Dabei handelt es sich um manipulative Benutzeroberflächen, die Nutzer zu Entscheidungen drängen sollen, die sie eigentlich nicht treffen wollten – etwa durch extrem komplizierte Kündigungsprozesse oder optisch hervorgehobene „Zustimmen“-Buttons bei gleichzeitig versteckten Ablehnungs-Optionen. Solche irreführenden Designs sind auf Online-Plattformen nun untersagt.

3. Schutz vor illegalen Inhalten und Hassrede

Der DSA führt das Prinzip „Notice and Action“ europaweit einheitlich ein. Nutzer können illegale Inhalte (wie Hassrede, terroristische Propaganda oder Produktfälschungen) einfach melden. Die Plattformen müssen:

  • Meldungen zügig prüfen.
  • Entscheidungen begründen.
  • Ein effektives Beschwerdemanagement bereitstellen.

Wenn eine Plattform Inhalte löscht oder ein Konto sperrt, muss sie den betroffenen Nutzer darüber informieren und eine Begründung liefern. Willkürliche „Shadowbans“ oder Sperrungen ohne Erklärung sollen damit der Vergangenheit angehören.

4. Besonderer Schutz für Minderjährige

Für Kinder und Jugendliche gelten verschärfte Schutzmaßnahmen. Plattformen müssen sicherstellen, dass ihre Dienste ein hohes Maß an Privatsphäre und Sicherheit bieten. Personalisierte Werbung, die auf dem Profiling von Minderjährigen basiert, ist nun strikt verboten.

Fazit: Ein Machtwechsel zugunsten der Nutzer

Der Digital Services Act ist ein Meilenstein im IT-Recht. Er zwingt die großen Player zu mehr Verantwortung und gibt den Nutzern wirksame Werkzeuge an die Hand, um sich gegen Willkür, Manipulation und Hass im Netz zu wehren. Für Unternehmen bedeutet dies einen erhöhten Compliance-Aufwand, für die digitale Gesellschaft jedoch einen großen Schritt hin zu mehr Souveränität.

Haben Sie Fragen zur Umsetzung des DSA in Ihrem Unternehmen oder fühlen Sie sich als Nutzer ungerecht behandelt? Als Anwalt stehe ich Ihnen gerne beratend zur Seite. Mit Anwalt GURU setzen Sie auf eine zukunftsweisende Plattform – für die bestmögliche Rechtsberatung und Anwaltssuche.

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