Kurzantwort
Scheidung Kosten: Die Kurzantwort
Die Kosten einer Scheidung richten sich vor allem nach dem Verfahrenswert und dem Umfang des Verfahrens. Ein einfaches Rechenbeispiel mit einem Anwalt und 4.000 Euro Gesamtverfahrenswert ergibt rund 1.197 Euro. Bei höherem Einkommen, Vermögen oder streitigen Folgesachen steigen die Kosten. Zum Beispiel gehören dazu:
Gerichtskosten
296 Euro
bei 4.000 Euro Gesamtverfahrenswert
Anwaltskosten
ca. 901 Euro
ein Anwalt, inkl. Auslagenpauschale und USt
Rechenbeispiel gesamt
ca. 1.197 Euro
4.000 Euro Gesamtverfahrenswert, ohne weitere Kosten
Rechenstand 2026: Die Beispiele verwenden die seit 1. Juni 2025 geltenden Tabellen von RVG und FamGKG. Der Mindestwert der Ehesache beträgt 3.000 Euro; wird ein Versorgungsausgleich durchgeführt, kommt dessen Wert mit insgesamt mindestens 1.000 Euro hinzu (§§ 43, 50 FamGKG). Die Kanzlei sollte dir vorab erläutern, welche Werte und weiteren Kosten sie für deinen Fall zugrunde legt.
Verfahrenswert
Wie wird der Verfahrenswert berechnet?
Der Verfahrenswert bestimmt die Höhe der Scheidungskosten.
Der Verfahrenswert (auch Streitwert genannt) ist die Berechnungsgrundlage für Gerichts- und Anwaltskosten. Er wird vom Familiengericht festgesetzt und berechnet sich aus:
Nettoeinkommen beider Ehepartner (x 3 Monate)
Das gemeinsame Nettoeinkommen beider Ehepartner wird mit 3 multipliziert. Beispiel: Verdienst du 2.500 Euro und dein Partner 1.500 Euro netto, ergibt das: (2.500 + 1.500) x 3 = 12.000 Euro Verfahrenswert.
Vermögen (abzüglich Freibeträge)
Auch die Vermögensverhältnisse berücksichtigt das Familiengericht (§ 43 Abs. 1 FamGKG). Wie es Immobilien, Guthaben und Freibeträge bewertet, hängt vom Einzelfall und der Gerichtspraxis ab. Lege dafür eine Übersicht über Vermögen und Schulden bereit; einen einheitlichen gesetzlichen Freibetrag nennt § 43 nicht.
Versorgungsausgleich (+ ca. 10% pro Anrecht)
Für den Versorgungsausgleich (Aufteilung der Rentenansprüche) kommen in der Regel 10 Prozent des gemeinsamen Dreimonatsnettoeinkommens pro Anrecht hinzu, insgesamt mindestens 1.000 Euro (§ 50 FamGKG). Die Anzahl der Rentenanrechte ist deshalb eine wichtige Angabe für die Kostenrechnung.
Kostentabelle
Was kostet eine einvernehmliche Scheidung? Kostentabelle 2026
Drei Rechenbeispiele nach den aktuellen Gebührentabellen (Stand 2026).
| Situation | Verfahrenswert | Gerichtskosten | Anwaltskosten | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Geringverdiener Gemeinsam 2.000 Euro netto | 6.000 Euro | 386 Euro | ca. 1.255 Euro | ca. 1.640 Euro |
| Durchschnitt Gemeinsam 5.000 Euro netto | 15.000 Euro | 688 Euro | ca. 2.290 Euro | ca. 2.980 Euro |
| Gutverdiener Gemeinsam 10.000 Euro netto | 30.000 Euro | 952 Euro | ca. 3.037 Euro | ca. 3.990 Euro |
* Einvernehmliche Scheidung mit einem Anwalt, ohne Folgesachen und ohne Versorgungsausgleich. Anwaltskosten: 1,3 Verfahrensgebühr + 1,2 Terminsgebühr + Auslagenpauschale + 19 % USt (RVG, Stand 2026). Gerichtskosten: 2,0 Gebühr nach Nr. 1110 KV FamGKG. Hinweis: Bei 15.000 Euro Verfahrenswert gilt die Tabellenstufe „bis 16.000 Euro". Bei zwei Anwälten verdoppeln sich die Anwaltskosten. Alle Angaben ohne Gewähr.
Was würde deine Scheidung kosten? Halte das gemeinsame Nettoeinkommen, Rentenanrechte und offene Streitpunkte bereit. Die Jura-KI hilft dir, die Kostenfaktoren zu verstehen und konkrete Fragen für eine Kostenauskunft der Kanzlei zu formulieren.
Scheidungssituation schildernFolgesachen
Folgesachen: Was die Scheidung zusätzlich kosten kann
Neben der reinen Scheidung können sogenannte Folgesachen den Verfahrenswert erhöhen.
Wenn du dich nicht einvernehmlich über alle Punkte einigen kannst, entscheidet das Familiengericht im sogenannten Scheidungsverbund auch über:
| Folgesache | Verfahrenswert | Was du dafür bereitlegst |
|---|---|---|
| Versorgungsausgleich | 10 % des Dreimonatsnettoeinkommens je Anrecht, insgesamt mindestens 1.000 Euro (§ 50 FamGKG) | Übersicht der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Rentenanrechte |
| Unterhalt (Ehegatten/Kinder) | Jahresbetrag des geforderten Unterhalts | Einkommensunterlagen, Forderung und laufende Zahlungen |
| Zugewinnausgleich | Höhe der Ausgleichsforderung | Vermögens- und Schuldenübersicht mit Belegen |
| Sorgerecht / Umgangsrecht | Als Folgesache grundsätzlich 20 % des Werts der Ehesache, höchstens 5.000 Euro je Kindschaftssache (§ 44 Abs. 2 FamGKG) | Bestehende Vereinbarungen und konkrete offene Fragen |
Tipp: Je mehr Folgesachen du vor dem Scheidungsverfahren einvernehmlich klärst (idealerweise in einer Scheidungsfolgenvereinbarung beim Notar), desto günstiger wird die Scheidung. Lass dir die Kosten und Folgen einer solchen Vereinbarung vorher erklären; Notar- und Beratungskosten können zusätzlich entstehen.
Staatliche Hilfe
Verfahrenskostenhilfe: Scheidung auch ohne Geld
Wer sich die Scheidung nicht leisten kann, hat unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf staatliche Unterstützung.
Wenn dein Einkommen nicht ausreicht, um die Scheidungskosten zu tragen, kannst du Verfahrenskostenhilfe (VKH) beantragen. Der Staat übernimmt dann ganz oder teilweise die Gerichts- und Anwaltskosten.
Voraussetzungen für VKH
- Bedürftigkeit: Dein Einkommen nach Abzug von Freibeträgen und Wohnkosten reicht nicht aus, um die Verfahrenskosten zu tragen
- Erfolgsaussicht: Das Scheidungsverfahren muss hinreichende Aussicht auf Erfolg haben (bei Scheidung nach Trennungsjahr praktisch immer gegeben)
- Keine Mutwilligkeit: Die Scheidung darf nicht mutwillig sein
So beantragst du VKH
Den Antrag stellt dein Anwalt zusammen mit dem Scheidungsantrag beim Familiengericht. Du musst das Formular zur Erklärung über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse ausfüllen und Belege beifügen (Einkommensnachweise, Kontoauszüge, Mietvertrag).
Wichtig: VKH ist kein Geschenk — bei Verbesserung deiner finanziellen Situation kann das Gericht bis zu 4 Jahre nach Abschluss eine Rückzahlung in Raten anordnen (§ 120a ZPO).
Spartipps
So sparst du bei der Scheidung
Praktische Tipps zur Kostenreduzierung.
Einvernehmliche Scheidung
Für den Scheidungsantrag braucht ein Ehepartner einen Anwalt. Der andere kann ohne eigenen Anwalt zustimmen (§ 114 Abs. 4 FamFG). Es gibt aber keinen gemeinsamen Anwalt für beide: Bei offenen Interessenkonflikten ist eigene Beratung wichtig.
Versorgungsausgleich ausschließen
Bei einer Ehezeit bis zu drei Jahren findet der Versorgungsausgleich nur auf Antrag statt (§ 3 Abs. 3 VersAusglG). Ein vereinbarter Ausschluss kann die eigene Altersvorsorge betreffen. Lass die Folgen prüfen, bevor du nur wegen der Verfahrenskosten darauf verzichtest.
Verfahrenskostenhilfe beantragen
Bei niedrigem Einkommen übernimmt der Staat die Kosten. Ähnlich wie Prozesskostenhilfe beim Zivilgericht.
Erst KI-Einschätzung, dann Anwalt
Ordne mit der Jura-KI deine Angaben zu Einkommen, Vermögen und offenen Fragen. Prüfe das Falldokument und ergänze fehlende Belege. Damit kannst du die anwaltliche Beratung gezielt vorbereiten; deren Kosten hängen vom Mandat und der Vergütung ab.
Online-Scheidung
Scheidung online einreichen: Geht das?
Was hinter der "Online-Scheidung" steckt.
Eine komplett online durchgeführte Scheidung gibt es in Deutschland nicht — der Scheidungstermin vor dem Familiengericht ist Pflicht. Aber:
- Online-Kommunikation mit dem Anwalt ist möglich; die gesetzlichen Gebühren sinken dadurch nicht automatisch
- Dokumente digital an die Kanzlei senden kann die Vorbereitung erleichtern
- Familiengerichte können den Scheidungstermin per Videoverhandlung zulassen (§ 32 Abs. 3 FamFG i. V. m. § 128a ZPO) – ein Anspruch darauf besteht allerdings nicht, es liegt im Ermessen des Gerichts
- Die Vorbereitung kannst du komplett online erledigen
Mit AnwaltGuru kannst du die Kostenfaktoren vorab einordnen und im Falldokument die Fragen sammeln, die du mit der Kanzlei klären möchtest. Für deren Kostenauskunft brauchst du vollständige Unterlagen; die KI liefert keine verbindliche Gebührenberechnung.
FAQ
Häufige Fragen zu Scheidungskosten
Wer bezahlt die Scheidung?
Bei ausgesprochener Scheidung werden die Kosten in der Regel gegeneinander aufgehoben: Jeder trägt seine eigenen Anwaltskosten, die Gerichtskosten werden geteilt (§ 150 FamFG). Bei einer einvernehmlichen Scheidung mit nur einem beauftragten Anwalt könnt ihr die Verteilung dieser Kosten untereinander vereinbaren. Dieser Anwalt vertritt aber nur seinen Auftraggeber, nicht beide Ehepartner gemeinsam.
Wie lange dauert eine Scheidung?
Eine einvernehmliche Scheidung dauert in der Regel 4-6 Monate nach dem Trennungsjahr. Eine streitige Scheidung kann 1-3 Jahre dauern. Das Trennungsjahr (12 Monate) ist in den meisten Fällen Voraussetzung.
Kann ich die Scheidung von der Steuer absetzen?
Nein, seit 2013 sind Scheidungskosten grundsätzlich nicht mehr als außergewöhnliche Belastung absetzbar (§ 33 Abs. 2 EStG). Der Bundesfinanzhof hat das 2017 bestätigt (Urteil vom 18.05.2017, Az. VI R 9/16). Es gibt nur wenige Ausnahmen, z.B. wenn die Existenzgrundlage bedroht ist.
Was kostet eine einvernehmliche Scheidung?
Beispiel: Zusammen 4.000 Euro netto im Monat ergeben 12.000 Euro für die Ehesache. Bei zwei auszugleichenden Rentenanrechten kommen 2.400 Euro hinzu; der Gesamtwert beträgt 14.400 Euro. Nach der Tabellenstufe bis 16.000 Euro ergeben sich 688 Euro Gerichtsgebühren und rund 2.291 Euro für einen Anwalt inklusive Auslagenpauschale und Umsatzsteuer, zusammen rund 2.979 Euro. Weitere Auslagen, Vereinbarungen und Folgesachen können hinzukommen. Ein Anwalt vertritt dabei nur einen Ehepartner; der andere kann der Scheidung ohne eigenen Anwalt zustimmen.
Sind die Scheidungskosten 2025/2026 gestiegen?
Seit dem 1. Juni 2025 gelten die angehobenen Gebührentabellen des Kostenrechtsänderungsgesetzes 2025. Die Beispiele auf dieser Seite nutzen diese Tabellen. Bei 4.000 Euro Gesamtverfahrenswert ergeben sich mit einem Anwalt rund 1.197 Euro Gerichts- und Anwaltsgebühren inklusive Auslagenpauschale und Umsatzsteuer. Das ist ein Rechenbeispiel, kein Mindestpreis für jede Scheidung: Umfang, Versorgungsausgleich und weitere Auslagen beeinflussen die Kosten.
Brauche ich bei einer Scheidung einen Anwalt?
Ja, mindestens ein Ehepartner muss anwaltlich vertreten sein, um den Scheidungsantrag beim Familiengericht einzureichen (Anwaltszwang nach § 114 FamFG). Der andere Partner kann zustimmen, ohne einen eigenen Anwalt zu beauftragen.
Quellen & rechtliche Grundlagen
- Gerichtskosten: Gesetz über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG), Nr. 1110 KV (2,0 Gebühr) i. V. m. Anlage 2 — Gebührentabelle in der seit 1. Juni 2025 geltenden Fassung
- Anwaltskosten: Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG), VV 3100, 3104, 7002, 7008 i. V. m. Anlage 2 — Gebührentabelle in der seit 1. Juni 2025 geltenden Fassung
- Gebührenerhöhung 2025: Kostenrechtsänderungsgesetz 2025 (KostBRÄG 2025), BGBl. 2025 I Nr. 109, in Kraft seit 1. Juni 2025
- Verfahrenswert: § 43 FamGKG (Ehesache, mindestens 3.000 Euro), § 50 FamGKG (Versorgungsausgleich, mindestens 1.000 Euro)
- Steuerliche Absetzbarkeit: § 33 Abs. 2 EStG; BFH, Urteil vom 18.05.2017, Az. VI R 9/16
- Verfahrenskostenhilfe: § 76 FamFG i. V. m. §§ 114 ff. ZPO
- Anwaltszwang und Zustimmung ohne eigenen Anwalt: § 114 FamFG; Kostenentscheidung: § 150 FamFG
- Aktuelle Tabellen und Folgesachen: RVG Anlage 2, FamGKG mit Anlage 2, § 44 FamGKG, § 50 FamGKG
Stand: September 2026. Alle Beträge nach den seit 1. Juni 2025 geltenden Gebührentabellen berechnet. Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wende dich an einen Fachanwalt für Familienrecht.